Für eine Handvoll Dong

Wie weit kommt man in einem abgeschiedenen, vietnamesischen Nationalpark mit umgerechnet 11,44 Euro? Am Geldautomaten fällt uns ein, dass wir vergessen haben, den monatlichen Betrag vom Giro- auf das Kreditkartenkonto zu übertragen. Unser Bargeld, rund 300.000 Dong, reicht für wenig mehr als für die Rückfahrt nach Dong Hoi. Dort übernachten wir in einem Hostel.

Es ist zu wenig für eine Bootsfahrt zu den Höhlen, für die der Nationalpark Phong Nha-Ke Bàng bekannt ist, und zu wenig, um uns einen Roller auszuleihen, mit dem wir den Park erkunden könnten. Aber vielleicht ist das auch besser so, denn wir sind beide noch nie Roller gefahren.

Eineinhalb Stunden sind wir in einem kleinen, stickigen Bus von Dong Hoi in das Dorf am Rand des Nationalparks gerumpelt, über unebene Landstraßen und mit so vielen Schülerinnen und Schülern, dass es unmöglich war, den Bus vor der Endhaltestelle zu verlassen oder auch nur die Sitzposition zu verändern. Direkt zurückfahren ist also auch keine Option.

 

Fischerboote auf dem Nhat-Le-Fluss vor Dong Hoi, rund 500 Kilometer südlich von Hanoi.
In der 130.000-Einwohner-Stadt leben bis heute viele Menschen vom Fischfang.
Mit ihren runden Korbbooten umgingen die Vietnamesen die Schiffssteuer der französischen Kolonialmacht.
Der Uhrenturm an der Flusspromenade. Der Nhat Le fließt bei Dong Hoi ins Südchinesische Meer.
Dong Hoi ist unter anderem für seine feinen Sandstrände bekannt. Wir waren wohl an der falschen Stelle.
Die katholische Tam-Toà-Kirche wurde bei einem Bombenangriff der Amerikaner 1965 zerstört.
Touristisch ist Dong Hoi noch eher unerschlossen.

„Vielleicht reicht unser Geld ja für Fahrräder?“, schlägt Alex vor. Wir gehen die Hauptstraße des Dorfs entlang. Und tatsächlich: In einem kleinen Geschäft können wir für rund 3,80 Euro zwei Räder leihen. Unser Restgeld reicht knapp für den Eintritt zum Botanischen Garten im Nationalpark und für die Rückfahrt nach Dong Hoi.

Es ist heiß an diesem Vormittag, schwül und drückend. Nach einem Blick auf unsere Offline-Karte radeln wir aus dem Dorf hinaus, zuerst am breiten Fluss Son entlang, der gemächlich zwischen den grün bewachsenen Karsthügeln hindurch mäandert, dann an grasenden Kühen vorbei in den Nationalpark.

Acht Kilometer sind es vom Dorfausgang zum Botanischen Garten. Der Großteil der Strecke führt bergauf. Immer wieder steigen wir von unseren Fahrrädern ab. Die Steigung ist teils so extrem, dass wir selbst beim Rückweg, auf dem Weg nach unten, lieber schieben.

Unsere T-Shirts kleben mitsamt der Rucksäcke am Rücken. Rechts und links des Weges überdecken grüne Blätter die Bäume wie ein Teppich. Immerhin ist die Straße asphaltiert, sodass wir keine Schwierigkeiten haben mit den dünnen Reifen unserer Stadträder.

 

Am Fluss Son entlang radeln wir zum Nationalpark. Eine Bootsfahrt können wir uns an diesem Tag nicht leisten.
Der Phong Nha-Ke Bàng gehört seit 2003 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Zum Botanischen Garten geht es fast nur bergauf.
Abkühlung unter dem Wasserfall Thac Gio im Botanischen Garten. Mit Rettungsring, natürlich. Safety Fürst.
Abendstimmung im Nationalpark-Dorf. Eine halbe Stunde warten wir am Straßenrand auf den letzten Bus nach Dong Hoi.

Verschwitzt und erschöpft kommen wir am Botanischen Garten an. Dieser entpuppt sich als ein 40 Hektar großes Waldstück mit drei unterschiedlich langen Wanderwegen, die durch den Dschungel führen. Wir hatten markierte Blumen und Bäume erwartet. Umso besser!

Wir schließen die Fahrräder am Eingang ab, spazieren durch den dichten Dschungel und klettern über Felsbrocken zu einem Wasserfall. Im Becken darunter, dem Vang Anh Lake, sitzt schon eine Gruppe Wanderer. Ein Glück für uns – sonst hätten wir uns vielleicht nicht in das wunderbar kühle Wasser getraut, in dem kleine Fische versuchen, an den Zehen der Badenden zu knabbern.

Der Rückweg geht schneller als der Hinweg. Fast die gesamte Strecke zum Dorf rollen wir bergab. Der Fahrtwind kühlt den Schweiß auf unseren Armen, lässt die Haare flattern. Wir sind früher an der Haltestelle als erwartet, müssen sogar noch eine halbe Stunde warten, bis der Bus nach Dong Hoi kommt. Und wir haben sogar noch ein bisschen Geld übrig. Für unsere letzten 60 Cents kaufen wir uns eine Flasche Wasser.

  1. Herbert Mooser

    Liebe Weltenbummler ,es ist mir ein Vergnügen Eure Reiseberichte zulesen und die vielen
    Bilder mit beschreibung dazu.Ich werde Eure Reise weiter verfolgen und wünsche allesGute
    und viel Glück.
    Mit freundlichen Grüßen
    Herbert Mooser
    Böblingen.

  2. schrittwaerts

    Lieber Herbert,
    vielen Dank für Deine lieben Wünsche – wir haben uns sehr über Deine Nachricht gefreut!
    Wir senden viele Grüße aus Australien nach Böblingen,
    Melanie & Alex

  3. Amazing journey! What a neat idea! I am excited to watch the trip unfold! Blessings for your journey!

    • schrittwaerts

      Thank you so much, Kevin!! The journey is indeed a very fulfilling endeavour – and I’m happy to find out more about yours 🙂 Take care, M.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.